8. Praktische Tipps
Wie immer ein paar praktische Tipps (und wie immer ohne Gewähr)...
- (Nord-) Wales ist ein tolles Radreiseland. Von flachen Küsten über sanftes Hügelland
bis hin zu alpiner Hochgebirgslandschaft hat das relativ kleine Gebiet viel zu bieten.
Hügel in saftigem Grün und Hochmoore bizarrer Schönheit machen das Radeln
abwechslungsreich. Zudem findet man viele alte Burgen, Klöster und andere kulturell
interessante Bauwerke. Eine Kombination aus Rundreise mit Gepäck und Tagestouren ohne
Gepäck halte ich für nahezu ideal.

Herrliches Radeln auf ruhigen Straßen
Besonders die in dem Radtourenführer beschriebenen Tagestouren sind wunderbare Strecken
und unbedingt lohnend. Die Touren sind sehr gut und detailliert beschrieben. Dazu gibt es
Entfernungsangaben und Höhenprofile. Das Buch heißt "Cylcle tours: North Wales and
the Marches", ist von Nick Cotton geschrieben und im Ordnance Survey-Verlag
erschienen (ISBN 0 600 59007 0). Uns stand die erste Auflage von 1997 zur
Verfügung.
Für eine Tour durch den Norden von Wales ist der Flughafen von Manchester ein
geeigneter Ausgangspunkt. Wir sind mit British Airways von Düsseldorf direkt nach
Manchester geflogen. Die Fahrräder wurden zum Pauschalpreis von 50 DM pro Strecke
mitgenommen (Stand 1997). Bis Chester sind es vom Flughafen aus rund 65 km. Kurz dahinter
ist die walisische Grenze, an der nur Engländer ein Visum (für eine maximale
Aufenthaltdauer von 24 Stunden, kein Zwangsumtausch) benötigen...
Der Verkehr ist auf den Hauptstraßen leider meist relativ stark. Die Autofahrer nehmen
aber von den üblichen Ausnahmen abgesehen Rücksicht, so dass man auch auf
Straßen mit viel Verkehr sicher radeln kann. Alle von uns gefahrenen Touren des
Radtourenführer verliefen grundsätzlich auf kaum befahrenen Nebenstraßen. An den
Linksverkehr gewöhnt man sich sehr schnell.
Steigungen sind in der Regel nicht sonderlich steil, aber manchmal langgezogen. Längere
flache Strecken sind eher die Ausnahme und meist nur direkt an der Küste und auf Anglesey
zu finden, ansonsten "hügeln" die Strecken ziemlich rum. Achtung: Die Steigung
hinter Cyffylliog im Verlauf der Tour 4 des Radtourenführers halte ich bei einer Fahrt mit
Gepäck für extrem steil (zudem ziemlich lang) und deshalb nur bedingt geeignet.
Diese Strecke besser nicht mit vollem Gepäck fahren.
Die Übernachtung in Bed & Breakfasts ist meist problemlos. Obwohl wir zur
Hauptreisezeit unterwegs waren und nichts vorab gebucht hatten, mussten wir nur einmal
länger nach einem Zimmer suchen. Das Preisniveau in Wales ist eher etwas höher als bei
uns, nicht nur bei den Übernachtungen.
Kulinarisch bleibt einem nichts erspart... 
Das Essen ist wirklich zumindest eigenwillig. Das Frühstück ist überall üppig und
bringt auch einen energieverzehrenden Radler ziemlich weit. Speisekarten bieten meist die
gleichen 15 Gerichte an: Fünf mit (wahnsinnigem) Rindfleisch und fünf mit frittiertem
Fisch (Fisch gibts leider nur frittiert; dass man Fisch auch kochen, dünsten,
grillen und braten kann, ist in Wales schlichtweg unbekannt). Bei den restlichen fünf
Mahlzeiten bekommt man Salat ohne Dressing, trockene Folienkartoffeln, Lasagne auf Chips,
ungesalzenes Gemüse u.s.w. Wem das alles noch nicht genügt, der kanns ja mal mit
"Brown Sauce" verseuchen - sorry - versuchen (Mischung aus Essig, Apfelsaft,
Zwiebelextrakt und Gewürzen!!!). Das alles kann man mit einem lauwarmen Bier ohne Schaum
runterspülen. Einziger kulinarischer Lichtblick sind meiner Meinung nach die
hervorragenden Backwaren und die guten Tees.
Ebenfalls eigenwillig, aber unbedingt liebenswert und sympathisch sind die Waliserinnen
und Waliser. Zudem sind sie sehr hilfsbereit und kommunikativ. Besonders wenn man in
B&Bs übernachtet, findet man schnell Kontakt und erhält zudem einen Einblick in die
Wohn- und Lebensverhältnisse der Einheimischen.
Die walisische Sprache ist ziemlich schwer auszusprechen und mit den üblichen
Sprachkenntnissen eines Mitteleuropäers überhaupt nicht zu verstehen. Aber jeder spricht
Englisch und alle Schilder sind zweisprachig, so dass man keinerlei Probleme haben wird,
wenn man Englisch kann. Hilfreich ist es, wenn man wenigstens die Ortsnamen richtig
aussprechen kann. Leider sind aber gerade das oft Zungenbrecher.

Zum Glück sind alle Schilder zweisprachig...
Wir waren Mitte Juli unterwegs und hatten abgesehen von ein paar Ausnahmen nahezu
ideales Radreisewetter: Relativ viel Sonne, nur ganz wenig Regen und angenehme
Temperaturen zwischen 20 und 25°C. Trotzdem empfiehlt es sich in jedem Fall einen guten
Regenschutz mitzunehmen.
