Das Ticket:
- Ein geeignetes Flugticket für Deine Radreise zu finden, kann manchmal nicht ganz einfach sein, letztendlich findet man aber immer was:
Vergiß alle Fluggesellschaften, die Fahrräder nur als Übergepäck mitnehmen. Das ist meistens viel zu teuer. Die Fluglinie muß entweder das Rad zum Pauschalpreis oder (noch besser) im Rahmen des Freigepäcks mitnehmen.
Die meisten (großen) deutschen Fluggesellschaften nehmen Fahrräder zum Pauschalpreis mit, z.B. Lufthansa, Condor, LTU u.a. Typischerweise zahlt man für Flüge innerhalb Europas und den Mittelmeerländern 50 DM pro Strecke, die LTU verlangt sogar nur 30 DM. Für Fernflüge muß man pro Strecke meist 60 US-Dollar berappen. Aber auch viele ausländische Airlines nehmen Fahrräder (und andere Sportgeräte) zum Pauschalpreis mit (z.B. alle Star Alliance Partner der Lufthansa (Scandinavian Airlines, United Airlines, etc.)).
Ein Tipp: Mit der LTU card kannst Du für 59 DM pro Jahr (nicht nur) Dein Fahrrad auf beliebig vielen Flügen ohne Aufpreis mitnehmen. Die LTU card lohnt sich also schon beim ersten LTU Flug. Zudem erhältst Du noch weitere Leistungen (mehr Freigepäck, Sitzplatzreservierung u.a.).
Bei vielen Fernflügen (z.B. Nordamerika) und kannst Du innerhalb der Freigepäckgrenze klar kommen. Während die üblicherweise innerhalb Europas und den Mittelmeerländern erlaubten 20 kg nicht für Rad samt Gepäck ausreichen, kann man bei Fernflügen mit zwei freien Gepäckstücken à 32 kg tricksen: Das Rad als ein Gepäckstück aufgeben und alle Packtaschen in einen Sack gesteckt als zweites Gepäckstück. Ich habe übrigens diesbezüglich gute Erfahrungen mit den Fluggesellschaften gemacht: Sie sind in der Regel sehr kulant. Bei meinem Flug in die USA konnte ich meine drei Packtaschen einzeln einchecken. Auch wenns mal ein paar Kilo mehr sind, ist dies in der Regel kein Problem (vielleicht auch, weil das Berechnen des Aufpreises beim Checkin zu mühsam ist...).
- Aber es gibt noch weitere Kriterien, die Du beim Ticketkauf beachten solltest:
Manche Fluggesellschaften bestehen auf einer Verpackung des Fahrrads. Das kann ein ziemlicher Nachteil sein. Weiteres dazu weiter unten im Text. Wenn Du das Gepäck nicht direkt durchgehend an den Zielort schicken kannst, solltest Du Umstiege vermeiden (auch dazu unten weiteres). Last, but not least, muß natürlich auch der Preis stimmen.
- Erkundige Dich, ob Du den Pauschalpreis für den Transport des Rades schon beim Kauf des Tickets im Reisebüro bezahlen kannst, dann hast Du beim keinen Streß mit langen Schlangen vor den Schaltern.
Auch dazu noch ein Tipp: Je nach Flugziel, bezahle den Transport des Fahrrads für den Rückflug nicht schon im voraus im Reisebüro oder beim Hinflug. Bei eher "radeluntypischen" Flugzielen ist es mir schon mehrfach passiert, daß die Leute vor Ort nicht wußten, ob ein Fahrrad extra bezahlt werden muß bzw. wieviel ein Fahrrad kostet und es dann umsonst mitgenommen haben. Dies wird zwar kaum auf Mallorca klappen, aber in Marokko und vielen anderen "ungewöhnlichen" Radlerzielen kannst Du damit Erfolg haben...
Vorbereitungen:
- Anmeldung des Fahrrads:
In jedem Fall muß der beabsichtigte Fahrradtransport bei der Fluggesellschaft angemeldet werden. Dies übernimmt das Reisbüro für Dich. Mach das Reisebüro darauf aufmerksam, daß Dein Kauf des Tickets an die Fahrradmitnahme gebunden ist. Eine Fahrradtour ohne Fahrrad macht nun mal wenig Sinn... Für die Anmeldung des Rades muß man manchmal angeben, wie lang und hoch das Rad ist. Manche Fluggesellschaften wollen das sogar ganz genau wissen. Miß im Zweifel Dein Rad im Voraus mal aus oder denk Dir was passendes aus...
Die Fluggesellschaft bestätigt den Radtransport in der Regel kurzfristig (ca. ein Tag). Probleme kann es nur geben, wenn das Flugzeug zu klein ist (Propellermaschine) oder Du ein Flugziel gebucht hast, das auch Hunderte andere Radfahrer zur gleichen Zeit gewählt haben (Ostern auf Mallorca).
Laß Dir von Deinem Reisebüro eine Kopie der Anmeldung des Fahrrads geben und nimm diese zum Flughafen mit. Ich hatte zwar bislang noch keine Probleme, möchte sie aber auch nicht bekommen...
- Verpacken oder nicht, das ist hier die Frage:
Ein beliebtes Thema in einschlägigen Internetforen ist die Verpackung des Fahrrads. Ich habe dazu eine ganz einfache Meinung: Wenn es nicht unbedingt notwendig ist, das Fahrrad zu verpacken, dann laß es! Ein verpacktes Rad läßt sich ungemein schlecht (beim Umsteigen!) transportieren. Erst hast Du das Problem, eine geeignete Verpackung zu finden, dann hast Du das Problem, sie wieder los zu werden.
Ich bin schon oft mit dem Rad geflogen, habe es - außer nach den USA - nie verpackt und nur gute Erfahrungen gemacht. Schlimmstenfalls war mal ein Schutzblech oder die Lampe leicht verbogen. Nie war jedoch etwas kaputt. Ein Reiserad bekommt während einer Radtour sowieso den ein der anderen Kratzer ab, da machen eventuelle Minikratzer durch den Transport auch nichts aus. Manche Fluggesellschaften lehnen aber die Haftung bei Beschädigungen ab, wenn Dein Rad nicht verpackt ist.Leider gibt es Ziele bzw. Fluggesellschaften, die die Verpackung des Rades unabdingbar machen. Nach meinem Wissen bestehen alle US-amerikanischen Fluggesellschaften auf die Verpackung des Rads. Dies ist besonders übel, wenn Du in den USA noch umsteigen mußt: Du muß immer am ersten (Einreise-) Flughafen mit Sack und Pack (und insbesondere Deinem Fahrrad) durch die Paßkontrolle und den Zoll. Mit einem verpackten Rad und einigen Radtaschen kann das stressig werden, wenn Du nicht genügend Zeit zum Umsteigen hast, zumal ein quer auf einem Gepäckkuli liegendes Fahrrad durch kaum einen normalbreiten Durchgang mehr paßt.
Wenn Du Dein Rad verpacken mußt oder möchtest, dann gibt es von einfacher Folie über Kartons und Taschen bis hin zu Koffern eine ganze Menge Möglichkeiten.
Mein Tipp: Bei der Lufthansa und deren Partner gibts spezielle Fahrradtransportkartons für 10 US-Dollar. Eigentlich sind die natürlich nur für die eigenen Fluggäste gedacht, wenn man mal freundlich fragt, bekommt man aber sicher auch als Nicht-Lufthansa-Gast so ein Ding. Die Größe ist auf Fahrräder abgestimmt (obwohl ich meinen Lenkervorbau abmontieren mußte). Vorteil ist, Du kannst den Karton erst am Flughafen direkt vor dem Abflug kaufen und man wird ihn am Ankunftsort im Altpapier wieder los.
Mit allen anderen Verpackungsmaterialien (spezielle Taschen und Koffer) habe ich bislang keine Erfahrungen gemacht. Auf jeden Fall sollte man sich überlegen, was man mit einer speziellen Fahrradtransporttasche oder koffer am Zielort macht. Ein echtes Problem mit Taschen und Koffern bekommst Du bei einem Gabelflug. Deshalb: Verpackung nur wenn unbedingt notwendig!Beim Abflug:
- Ist der große Tag des Abflugs gekommen, dann trudel nicht zu spät am Flughafen ein. Zwei Stunden vor dem Abflug sind in der Regel ganz in Ordnung. Um Dein Fahrrad flugtauglich zu machen, mußt es entweder komplett in einem Karton, einer Tasche oder einem Koffer verpacken (s.o.) und / oder:
- die Pedale abschrauben
- den Lenker parallel zur Fahrtrichtung verdrehen
- die Luft teilweise aus den Reifen lassen.
Laß die Luft nur soweit aus den Reifen, daß es beim Schieben nicht auf den Felgen läuft (auch wenn die Leute von der Fluggesellschaft sagen, die Luft ganz herauszulassen). Wenn Du vergißt die Luft herauszulassen, ist das auch kein Problem. Der Druckausgleich in den Gepäckräumen des Fliegers ist meist so gut, daß nichts passiert. Trotzdem sollte man es nicht darauf ankommen lassen.
Mein Tipp (aus eigener schlechter Erfahrung): Laß Deine Luftpumpe nicht am Fahrrad oder befestige sie gut. Der Urlaub beginnt wirklich klasse, wenn Du in Lumumba am Flughafen mit platten Reifen und ohne Luftpumpe stehst...
- Wenn Du den Fahrradtransport noch nicht bezahlt hast, dann mach das am besten bereits vor dem Checkin am Ticketschalter. Kaufe dort ggf. auch den Fahrradkarton (s.o.). Weiter gehts dann beim Checkin-Schalter. Die freundliche Dame oder der freundliche Herr dahinter sagen Dir, ob Du das Rad an einem Sperrgepäckschalter abgeben mußt oder ob ein ebenso freundlicher Flughafenmitarbeiter das Rad am Checkin-Schalter abholen kommt.
Die Ankunft:
- Wenn Du am Ziel Deiner Wünsche das Gepäck (hoffentlich vollzählig) am "baggage claim" abgeholt hast, wird es spannend: Wo taucht Dein Rad auf? Während ich mit den Packtaschen in der Hand am Gepäckband stand, habe ich schon oft gezweifelt, ob mein Rad den Weg gefunden hat. Es hat ihn aber (fast immer) gefunden. Nur ein bißchen Geduld und irgendwo öffnet sich eine Türe, aus dem ein breit grinsender Flughafenmitarbeiter Dein Rad schiebt...
Fazit:
- Vielleicht hört das Fliegen mit dem Rad im Gepäck nach meinem ganzen Gerede kompliziert an, ist es aber nicht! Wichtig sind nur das Rad vorher anzumelden und es ein wenig flugreisetauglich zu machen. Es ist eine sehr bequeme Art, sein Rad im Flieger mitzunehmen, weil man es im Prinzip am Schalter abgibt und am Ziel wieder in Empfang nimmt. Jedenfalls finde ich es wesentlich einfacher als so manchen Transport mit der Bahn.